Wenn jeder Schritt schwerfällt und die Knie morgens steif sind, lautet die Diagnose oft: Kniearthrose. Diese Form des Gelenkverschleißes gehört zu den häufigsten Veränderungen am Körper – sowohl bei älteren Menschen als auch bei Sportlern.

Interessanterweise zeigt die Forschung immer wieder: Wie stark die Abnutzung auf einem Röntgenbild aussieht, sagt oft wenig darüber aus, wie stark die Schmerzen tatsächlich sind. Manche Menschen haben laut Röntgenbild einen fortgeschrittenen Verschleiß, spüren aber kaum etwas. Andere haben starke Beschwerden, obwohl das Gelenk auf den Bildern noch recht gut aussieht. Das macht deutlich: Es kommt nicht nur auf den Zustand des Knorpels an, sondern vor allem darauf, wie der Körper mit diesen Veränderungen umgeht.

Arthrose betrifft mehr als nur den Knorpel

Bei Kniearthrose starrt man oft nur auf die Gelenkflächen. Doch das greift zu kurz. Das Knie wird von einem Zusammenspiel aus Muskeln, Kapseln, Bändern und Faszien stabilisiert. Wenn sich ein Gelenk verändert, passt sich das gesamte Gewebe drumherum an. Die Gelenkkapsel kann beispielsweise fester werden, wodurch das Knie an Beweglichkeit verliert und weniger Gelenkschmiere produziert wird.

Auch die Muskulatur reagiert sofort. Bei Schmerzen entwickelt der Körper oft Ausweichbewegungen. Das führt dazu, dass bestimmte Muskeln unter Dauerspannung stehen. Diese einseitigen Zugkräfte verändern, wie die Kniescheibe gleitet und wie der Druck im Gelenk verteilt wird. Wenn das Gewebe seine Geschmeidigkeit verliert, fühlt sich jede Bewegung hölzern und mühsam an. Schmerz entsteht also oft durch eine ungünstige Druckverteilung – nicht nur durch den reinen Verschleiß.

Biomechanik als zentraler Einflussfaktor

Das Knie ist kein isoliertes Bauteil; es wird massiv von der Hüfte und dem Sprunggelenk beeinflusst. Wenn es dort hakt, verändert sich automatisch die Achse, über die das Knie belastet wird.

Wichtige Faktoren für eine ungünstige Belastung sind beispielsweise eine instabile Hüfte oder ein unbewegliches Sprunggelenk. Auch wenn Muskeln nicht ausgewogen zusammenarbeiten oder sich das Gangbild verändert, leidet das Knie. Wenn diese Fehlbelastungen über lange Zeit bestehen bleiben, können die Beschwerden zunehmen, selbst wenn sich der Knorpel selbst gar nicht weiter verändert hat.

Was lässt sich bei Kniearthrose beeinflussen?

Einmal abgenutzter Knorpel lässt sich nach aktuellem Stand nicht einfach wieder herbeizaubern. Aber wir können beeinflussen, wie die Kräfte auf das Gelenk wirken. Durch eine genaue Analyse der Bewegungsabläufe lassen sich ungünstige Spannungsmuster erkennen.

Wenn die Führung des Gelenks verbessert und die umliegenden Muskeln wieder richtig aktiviert werden, verteilt sich der Druck im Knie anders. Ziel ist es, die Last nicht auf einer kleinen, überreizten Stelle zu konzentrieren, sondern sie gleichmäßig über die gesamte Fläche zu verteilen. Ein wichtiger Ansatzpunkt hierfür ist die Behandlung von Knieschmerzen und Arthrose. Hierbei geht es darum, das Knie im Alltag wieder belastbarer zu machen und das gesamte System zu entlasten.

Bewegung als wichtiger Faktor

Selbst bei einer fortgeschrittenen Arthrose ist gezielte Bewegung unverzichtbar. Eine moderate Belastung, die genau auf die Beinachse abgestimmt ist, sowie ein gezielter Muskelaufbau geben dem Gelenk wieder mehr Halt.

  • biomechanischer Analyse
  • manueller Begleitung
  • strukturierter Trainingssteuerung

kann helfen, Mobilität und Alltagstauglichkeit möglichst lange zu erhalten.

Fazit

Kniearthrose ist kein Schicksal, das nur aus „kaputtem Gewebe“ besteht. Es ist ein Zusammenspiel aus körperlichen Veränderungen und der Art, wie wir uns bewegen. Wer versteht, wie die Mechanik des eigenen Körpers funktioniert, kann die Belastung gezielt optimieren und so auch mit Arthrose wieder besser durch den Tag kommen.